
Bekannt aus Funk und Fernsehen
Archie. Sein Suicide. Irgendwie lustig. Irgendwie doof. Irgendwie Jugend. Archie hat einen Plan, will seinen Freitod filmen, vergisst darüber sein eigentliches Thema. Rumpelt zuweilen zwischen 50er Jahre Teenie-Aufklärung und 90er Jahre Teenie-Show hin und her. Gibt sich wie aus der TV-Werbung. Dann Homevideos als Kindheit. Der Trash kommt Schnitt für Schnitt. Archie ein TV-Kid. Ein Internet-Kid. Archie als ultimative Subjektive. Der Film, eine Collage, in der zwichendurch sogar einzelne Bilder dazu verkommen: Der Gang über den Schulhof wird zum Klebebild, in dem Sexgirls reingeschnitten werden und anderen Schülern die Gesichter zerhackgeschossen werden. Archie ein Egoshooter. Die Kamera überall dabei. Archie aber auch als der Coole von der Schule. Ein Parker Lewis sozusagen. Anstrengende Dudelmusik (ding ding dong) und selten blöde Schulpsychologen. Referenzen an Teeniekomödien. Dann wieder Archie. Mal computergeneriert, mal Comic, mal The Real Life. Archie ist selbstverliebt. Archie, die Subjektive. Archie, der Egoshooter. Archie trifft eine ihm gleich selbstverliebte wie er, die hat Probleme, wie er. Die will sich auch umbringen, vor der Kamera, wie er. Zwei Egoshooter mit Kamera unterwegs: „If someone messes with us, shoot him!” (Das muss ein Witz sein.) Sie ist beliebt. Eine Abriss-High-School-Queen. Sie hat aber trotzdem Probleme. Das ist irgendwie crazy sexy cool. Das ist irgendwie Mtv mit belanglosem Vorstadt-Bling-Bling und einer Prise Weltschmerz. Das ist irgendwie doof aber irgendwie auch Jugend. Eine Jugend aber, die ver-big-brother-t ist und daran gefallen gefunden hat. Der Film benutzt die visualisierte Sprache der Jugend, in der die Egozentrik der Jugend eingefasst ist. Dabei bietet er jedoch wenig Freiräume für reflektierte Ansichten auf diese medialisierte Welt. So verkommt der Film zu einem kleinen Spass über die Belanglosigkeit eines Teenieselbstmörders. Selbstmord ist im medialen Zeitalter nur noch ein weiterer Zeitvertreib, eine weitere Möglichkeit schlechtaufgelöste Videos ins Netz zu stellen. Wie bitter das eigentlich ist, erfährt in David Lee Millers Film MY SUICIDE jedoch niemand. Er reiht Bekanntes aneinander und erzeugt Überdruss. Trash alleine ist aber nicht aureichend, als solcher verbleibt er einfach Müll. Es reicht auch nicht sich des abgedroschenen „Oversexed but a virgin”-Mantras zu bedienen, wenn der Film sich zum weiteren Abziehbild einer weltfremden Jugend generiert, die sich im medialen Durcheinander nur Oberflächlich zurecht findet, innerlich aber an Bewusstlosigkeit erkrankt ist. Denn was bedeutet “Oversexed but a virgin” in diesem Kontext eigentlich, abgesehen davon das es aus Archies Mund cool klingt? Am Ende der Vorstellung im Rahmen der letzten Berlinale, gibt es frenetischen Jubel freudig grölender Jugendliche. Der Film hat gefallen. Das lag wohlmöglich an der medialen Aufbereitung. Man isst schließlich was man ist. Und ich Egoshooter bleibe wohlmöglich alleine mit meiner Enttäuschung darüber zurück, dass der zu Beginn als Snuff-Film in Aussicht gestellte Freitod gar nicht eingetroffen ist.
txt.julianbauer
Der Film läuft am 19. Juli 2009 um 21.30 im Rahmen der Sommerberlinale im Freiluftkino Friedrichshain
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